{"id":402,"date":"2012-01-09T23:42:33","date_gmt":"2012-01-09T22:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.embedded-system-design.de\/?p=402"},"modified":"2012-01-09T23:42:33","modified_gmt":"2012-01-09T22:42:33","slug":"softwarefehler-brachte-flugzeug-in-den-sturzflug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/2012\/01\/09\/softwarefehler-brachte-flugzeug-in-den-sturzflug\/","title":{"rendered":"Softwarefehler brachte Flugzeug in den Sturzflug"},"content":{"rendered":"<p>Wer Ereignisse wie das folgende f\u00fcr mich hat, her damit &#8211; ich sammle sowas&#8230;<\/p>\n<p>Die Passagiere des Flugs 72 der australischen Fluggesellschaft Quantas wurden am 7. Oktober 2008 sicher aus ihrer Buchlekt\u00fcre gerissen, als die Maschine in einer H\u00f6he von 11.277 Metern pl\u00f6tzlich in den Sturzflug \u00fcberging. Sie waren auf dem Weg von\u00a0 Singapur nach Perth, als innerhalb von 23 Sekunden das Flugzeug 210 Meter an H\u00f6he verlor &#8211; die ersten 45 Meter fiel die Maschine in 2 Sekunden. Zwei Minuten sp\u00e4ter verlor die Maschine noch einmal an H\u00f6he, dieses Mal sackte sie knapp 122 Meter in 15 Sekunden ab. Passagiere und Besatzungsmitglieder, die nicht angeschnallt waren, wurden durch die Maschine geschleudert. Die Piloten konnten die Maschine auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt Learmonth im Bundesstaat Western Australia notlanden.<\/p>\n<p>Die\u00a0australische Verkehrsaufsichtsbeh\u00f6rde <a href=\"http:\/\/www.atsb.gov.au\/\" target=\"_blank\">Australian Transport Safety Bureau<\/a> (ATSB) hat vor Weihnachten den <a href=\"http:\/\/www.atsb.gov.au\/publications\/investigation_reports\/2008\/aair\/ao-2008-070.aspx\">Abschlussbericht zu diesem Beinahabsturz<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Demnach waren fehlerhaften Sensoren und fehlerhafte Software Ursache f\u00fcr einen Sturzflug einer Passagiermaschine der australischen Fluggesellschaft Qantas verantwortlich.<\/p>\n<blockquote><p> Animation des Vorfalls vom Australian Transport Safety Bureau (ATSB)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ausl\u00f6ser war eine fehlerhafte Air Data Reference Unit (ADRU), die in der Regel die Instrumentenanzeige der Piloten und andere Systeme des Flugzeugs, wie die Triebwerke und den Autopiloten, mit Informationen zu Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Flugh\u00f6he, Position und Fluglage versorgt. Aufgrund seiner wichtigen Stellung sind mehrere ADRUs redundant vorhanden. Der betroffene Airbus vom Typ A330 hatte drei ADRUs, von denen eine mehrfach kurzzeitig fehlerhafte Angaben zum Anstellwinkel an den Boardcomputer sendete. Die falschen Informationen entstanden offenbar dadurch, dass der Prozessor der ADRU beim Packaging und Queueing Sensorwerte mit falschen Tags versehen hat. Da das integrierte Systemtests der ADRU das Versagen nicht ausnahmslos detektierten, wurden einige Daten nicht f\u00fcr ung\u00fcltig markiert.<\/p>\n<p>Ein systematischer Fehler in der ADRU wurde ausgeschlossen. Es wird von einem <em>Single Event Effect<\/em> (SEE) ausgegangen. Das sind Effekte, die in Halbleiterbauelementen durch den Einschlag, bzw. das Durchqueren eines Teilchens einer ionisierenden Strahlung ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Zu diesen Strahlungen z\u00e4hlen z.\u00a0B. Alphastrahlung, Neutronenstrahlung und kosmische Strahlung. Relevant sind SEEs insbesondere im Bereich der in Luft- und Raumfahrt verwendeten Mikroelektronik, da in h\u00f6heren Bereichen der Erdatmosph\u00e4re und vor allem im Weltraum eine erh\u00f6hte Strahlungsintensit\u00e4t herrscht. Solche SEEs sind damit nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches in der Luft- und Raumfahrt.<\/p>\n<p>Normalerweise arbeitet der Algorithmus des Boardcomputers, der den Anstellwinkel verarbeitet, sehr zuverl\u00e4ssig. In diesem Fall war er durch die falschen Daten \u00fcberfordert gewesen. In dem Bericht kommt das ATSB zu dem Schluss, dass signifikant der vom Boardrechner verwendete Algorithmus zu dem Ungl\u00fcck beitrug.<\/p>\n<blockquote><p>There was a limitation in the algorithm used by the A330\/A340 flight control primary computers for processing angle of attack (AOA) data. This limitation meant that, in a very specific situation, multiple AOA spikes from only one of the three air data inertial reference units could result in a nose-down elevator command.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als in den 1990ern die Software f\u00fcr den Boardrechner entwickelt worden ist, wurde das Schadensbild mehrfach auftretender Datenspikes der ADRU nicht identifiziert und daher nicht beim Entwurf der Software ber\u00fccksichtigt. W\u00e4hrend der akkumulierten 128 Millionen ist das ausl\u00f6sende Schadensbild der <em>LTN-101 Air Data Inertial Reference Unit<\/em> nur dreimal beobachtet worden &#8211; stets beim Airbus A330. Die beiden weiteren ADIRU haben ordnungsgem\u00e4\u00df zu diesem Zeitpunkt funktioniert.<\/p>\n<p>Inzwischen wurde die Software f\u00fcr die Flugsteuerung \u00fcberarbeitet. Die \u00dcberwachung und Filterung der Fluglagedaten wurde erweitert. Der Hersteller der ADIRU hat die integrierten Tests erg\u00e4nzt, um entsprechende Probleme bei der Datenausgabe zu erkennen und zu melden. Zu den Aufgaben der Piloten geh\u00f6rt es bekanntlich, das Versagen der Technik zu beherrschen: F\u00fcr den Fall, dass ein <em>NAV IR FAULT<\/em> im Cockpit gemeldet wird, werden die Piloten angewiesen, die betroffene ADIRU abzuschalten. Das Fehlerbild wurde in das Flugsimulatortraining aufgenommen.<\/p>\n<p>Zu der hohen Zahl der Verletzten trug der Umstand bei, dass 60 der 303 Passagiere nicht angeschnallt gewesen sind. &#8211; Also immer sch\u00f6n anschnallen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Ereignisse wie das folgende f\u00fcr mich hat, her damit &#8211; ich sammle sowas&#8230; Die Passagiere des Flugs 72 der australischen Fluggesellschaft Quantas wurden am 7. Oktober 2008 sicher aus ihrer Buchlekt\u00fcre gerissen, als die Maschine in einer H\u00f6he von 11.277 Metern pl\u00f6tzlich in den Sturzflug \u00fcberging. Sie waren auf dem Weg von\u00a0 Singapur nach &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/2012\/01\/09\/softwarefehler-brachte-flugzeug-in-den-sturzflug\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,7],"tags":[20,49],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.embedded-system-design.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}